Archiv der Kategorie: Frag den Bauern

Woher beziehen Schweine den Vitamin B12-Bedarf und haben Fleischkonsumenten einen Vorteil gegenüber Veganer?

Ich möchte vorausschicken, dass ich die Antwort als Landwirt und Tierhalter und nicht als Ernährungswissenschaftler geben kann.
Das Vitamin B12 wird nach meinem Wissenstand im Dickdarm des Schweines von Mikroorganismen produziert und in der Leber des Tieres als Voratspuffer gespeichert.
Bei der Fütterung von Schweinen schauen wir genau auf die Versorgung mit den Vitaminen A,D und E jedoch nicht speziell auf die B Vitamine.
Unser Schweinefleisch ist reich an vielen B-Vitaminen so auch an Vitamin B12, auch ist die biologische Verfügbarkeit sehr hoch.
Wie Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, ihren notwendigen Vitamin B12 Bedarf decken kann ich leider nicht fachkundig beantworten.
Fakt ist, dass Pflanzen kein Vitamin B12 herstellen können, es gibt aber genügend synthetische Vitamin B12 Präparate am Markt.
Menschen mit einer abwechslungsreichen Mischkost, müssen sich über ihre Vitamin B12 Versorgung garantiert nicht den Kopf zerbrechen!

Werner Pail, Obmann Saugut

Warum sind bei Schweineställen oftmals Fenster verdunkelt, ist das rechtlich ok und schadet das den Tieren nicht?

Die Frage war auf Schweine- und Geflügelbetriebe bezogen, ich kann hier nur die Situation im Schweinebereich erklären, im Geflügelbereich kenne ich die rechtlichen Anforderungen nicht.
Die Lichtverhältnisse in Stallungen sind ähnlich wie an unseren Arbeitsplätzen eindeutig geregelt, auch das AMA Gütesiegel beschreibt die Anforderungen ganz genau.
1) Ein Stall muss 3% Fensterfläche im Bezug auf die Grundfläche aufweisen.
2) Im Tierbereich des Stalles ist über mindestens acht Stunden pro Tag eine Lichtstärke von mindestens 40 Lux zu gewährleisten.
3) Reicht der natürliche Lichteinfall trotz Einhaltung der Fenster-Mindestfläche nicht aus, muss zusätzlich eine automatisch gesteuerte, künstliche Beleuchtung vorhanden sein.
Das ist als Tierhalter einzuhalten Punkt.
Wenn man mittels Styroporplatten die Fenster abdeckt, muss man die Lichtstärke trotzdem erfüllen. Der Grund warum manche Bauern solche Platten im Winter innen vor die Fenster geben ist,
dass sie damit Zugluft für die Tiere vermeiden wollen. Die Stallfenster sind bei weitem nicht so dicht wie Wohnraumfenster und speziell bei alten Fabrikaten kann da schon Zugluft entstehen und die kann wirklich große Probleme im Tierbestand machen, ist für die Tiere auch echt unangenehm. Übrigens ist Zugluft die häufigste Ursache für das Schwanzerlbeissen. Soll heißen die Bauern denken sich da schon was dabei, müssen aber natürlich auch darauf achten, dass trotzdem genug Licht im Stall ist. Ich nehme Styroporplatten, wenn ich einen Stall nach der Reinigung für eine neue Ferkelpartie aufheize, damit keine Wärme durch die Fenster verloren geht. Wenn die Ferkel kommen nehme ich die Platten dann wieder weg.

Werner Pail, Obmann Saugut

Werden Ferkel bei der Kastration richtig betäubt oder „nur“ gegen Schmerzen behaldelt

Derzeit ist bei der Ferkelkastration der Einsatz eines wirksamen Schmerzmittels verpflichtet, das ist aber noch keine Betäubung oder Narkose. Dieses Schmerzmittel wird vor der Kastration iniziert und verhindert, dass die Ferkel Schmerzen haben. Es wird mit deisem Mittel versucht die Schmerzen beim Eingriff und auch danach zu verhindern bzw. auszuschalten. Dass es noch nicht die perfekte Lösung ist, wissen wir und es wird auf wissenschaftlicher Ebene aktiv nach einer besseren Lösung gesucht. Unser Voreil dabei ist, dass auch Deutschland nach einer Lösung sucht, sie sind die größten Produzenten in Europa und dementsprechend hoch ist daher auch die Priorität in der Forschung angesiedelt. Sobald hier ein praktikables Verfahren zur Verfügung steht wird es auch in Österreich umgesetzt werden, das wurde sogar ins Tierhaltungsgesetz geschrieben. Wichtig für uns ist, dass es auch ein Bauer mit 30 Zuchsauen umsetzen kann und nicht nur große spezialisierte Betriebe. Die derzeitige Situation ist aber trotzdem eine Verbesserung, da es vor einigen Jahren diesen Schmerzmitteleinsatz gar nicht gegeben hat und danach als Brachenvereinbarung langsam umgesetzt wurde, seit der heurigen Novelle des Tierschutzgesetzes ist es aber Gesetz und Pflicht für alle.

Wenn Sie ein Schwein auf einem Ihrer Höfe wären, würde es Ihnen saugut gehen?

Bevor wir Deine Frage beantworten, möchten wir noch einmal zum besseren Verständnis den Zweck der Plattform Saugut darstellen. Wir regen Bauern dazu an, sich gegenüber Konsumenten, Nachbarn und allen interessierten Menschen zu öffnen und selbst ihre Arbeit auf dem Hof und im Stall zu erklären, das sollten wir nicht nur anderen überlassen. Das heißt aber auch, dass die Saugut Bauern zur Diskussion und zum Dialog bereit sind, andere machen da nicht mit. Das wiederum bedeutet sich andere Meinungen anzuhören, und darüber auch kritisch nachzudenken. Unsere Bauern haben verschiedenste Haltungsformen, von Voll- und Teilspaltenböden bis zu Auslauf und Außenklimaställen, es gibt keine SAUGUT-Norm.

Nun zur Frage. Das 3.0 in unserem Namen bedeutet Schweinehalter der 3. Generation und wir kennen die Haltungsformen der 2. und 1. Generation auch noch, sprich unserer Väter und Großväter. Es ist zu 100% sicher, dass sich die Tierhaltung im Bezug auf Tierwohl und Tierschutz in dieser Zeit laufend weiterentwickelt und verbessert hat. Ja, wir sind der Meinung, dass es unseren Tieren heute saugut geht! Aber natürlich gibt es auf gut noch eine Steigerungsform. Und nein, es scheint auf einem Bauernhof nicht 24 Stunden die Sonne, da gibt es auch Probleme und Krankheiten, das auszublenden ist nicht in unserem Sinne.

Mit der Vermenschlichung von Tieren muss man aber vorsichtig sein, ein Schwein hat ganz andere Bedürfnisse als ein Mensch. Wir wissen, dass sich die Gesellschaft die Nutztierhaltung romantischer bzw. anders vorstellt. Diesen Wunsch können nicht wir Bauern alleine erfüllen, dafür brauchen wir 3 wichtige Partner, die Politik, den Handel und den Konsumenten. Als mündiger Konsument kann man sich aber auch schon heute die gewünschte Produktionsart seiner Lebensmittel aussuchen, es gibt eine Vielzahl von Labels am Markt und die Nachfrage wird die nötigen Impulse geben. Wir sind auf jeden Fall bereit zur Diskussion, wir möchten dass unser Berufstand eine Zukunft hat und unsere Bauern auch in Zukunft in der Lage sein werden, die heimische Bevölkerung versorgen zu können.

Wir bitten um Verständnis, dass wir bei den Antworten keine Namen mehr anführen um unsere Bauern nicht zur Zielscheibe von Aktivisten zu machen.

Herr Obmann von SAUGUT, was sagen sie zu den Vorwürfen vom VGT

Antwort von Werner Pail, Schweinebauer und Obmann von SAUGUT

Die Bilder und Videos von der VGT Kampagne stammen allesamt aus Einbrüchen in unsere Stallungen, dazu gab es am 19. Mai eine Pressekonferenz wo die Medien, in gewohnter Manier, einseitig informiert werden sollten. Ich bin froh, dass wir im Vorfeld davon erfahren haben und ich zu allen in den Raum gestellten Anschuldigungen Stellung nehmen konnte.

Es hat sich herausgestellt, und das wurde auch vor Ort von der Tierschutzombudsfrau bestätigt, dass auf den Bilder keinerlei Verstöße gegen das Tierhaltungsgesetz zu sehen waren. Ich habe den Medien damals auch erklärt, dass wir unsere Höfe beim „Tag der offenen Stalltür“ für jedermann aufmachen nicht weil wir protzen wollen. Nein, wir wollen das herzeigen was wir haben und was wir tun und mit den Menschen darüber diskutieren. Das auf einem Bauernhof nicht 24 Stunden die Sonne scheint und es niemals Krankheiten oder Probleme gibt habe ich mehrfach betont, so auch die Geschichte mit dem nächtlichen Mastdarmvorfall eines Schweines in meinem Stall. Nun hat der VGT in den jüngst veröffentlichten Videos daraus einen „Aktivisten Kunstfilm“ gemacht, die Szenen wurden alle verdreht dargestellt und eine Geschichte wurde zusammengereimt, sogar Ton ist zu hören (ich kenne diese Kameras die bei den Einbrüchen benutz werden, keine davon hat eine Tonaufzeichnung!!!). Das hat mit der Wahrheit gar nichts mehr zu tun und dass das Tier behandelt wurde wie es sich gehört, interessiert sie nicht.

Schau, ich ermutige erhrenamtlich die Bauern, auf die Konsumenten, Nachbarn und allen interessierten Menschen zuzugehen und zuhause auf den Höfen das herzuzeigen und zu erklären was sie machen, sprich mit offenen Karten zu spielen. Ich bekenne mich zur Weiterentwicklung nicht nur der Haltung der Tiere sondern auch der Fütterung, Emissionen, Gülleausbringung …. Der David Richter hingegen ist hauptberuflich Aktivist und wird auch vom VGT bezahlt, es ist sein Job Leute zu schockieren und das versucht er auch bei jeder Gelegenheit.