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In den USA wird in der Fleischindustrie sehr viel subventioniert, um den Markt anzutreiben und Konkurrenz auszuschalten. Wie verhält es sich hier in Österreich? Ist der Markt noch gerecht oder auch gelenkt?

Frage: In den USA wird in der Fleischindustrie sehr viel subventioniert, um den Markt anzutreiben und Konkurrenz auszuschalten. Wie verhält es sich hier in Österreich? Ist der Markt noch gerecht oder auch gelenkt?

Ich kann nur den heimischen Schweinemarkt  kommentieren, hier wurde seit jeher auf Markteingriffe durch Stützungen und Subventionierungen verzichtet. Auch gab es im Schweinefleischbereich nie eine Marktordnung, welche die Erzeugungsmengen reglementierte. In den USA hat die Schweinefleischproduktion für die Ausfuhr in andere Länder eine große Bedeutung und dementsprechend wichtig ist sie für die Exportwirtschaft. In Österreich ist es ganz anders, hierzulande wird nur das exportiert, was bei heimischen Konsumenten nicht gefragt ist. Das sind meist Nebenprodukte aber auch fettere Teilstücke. Hier ist es nicht notwendig zu Subventionieren, da bekommen unsere Exporteure gute und faire Preise. Der Export dieser Nebenprodukte hat eigentlich bewirkt, dass es beim Schlachten eines Schweines keinerlei Abfall gibt, alles wird verwertet und ist auch gefragt. Durch die zusätzlich erzielte Wertschöpfung wurden auch hierzulande gefragte Edelteile in den Regalen entsprechend billiger.

 

In den Medien war in letzter Zeit viel über den viel zu hohen Fleischverbrauch von 100 kg zu hören, wie seht ihr Bauern das?

Die Frage ist eigentlich einfach und schnell zu beantworten, wenn man die statistischen Zahlen sorgfältig recherchiert und richtig auslegt. Die knapp 100 kg werden als pro Kopf Verbrauch ausgewiesen, das ist das Schlachtgewicht der einzelnen Tierkategorien in kg (abzüglich Export, zuzüglich Import), das heißt aber nicht, dass dies alles gegessen wird, da sind auch Schlachtnebenprodukte wie Blut, Borsten, Knochen usw. dabei, die zwar allesamt verwertet werden jedoch nicht vom Menschen gegessen, auch z.B. Innereien für die Tiernahrung sind da dabei. Die Menge die vom Menschen in Österreich tatsächlich gegessen wird, ist laut Statistik Austria 64,8 kg (davon 38,2 kg Schweinefleisch) – Tendenz in Österreich sinkend jedoch weltweit steigend.

Dementsprechend müsste es heißen: Es ist sehr erfreulich, dass der österreichische Konsument auf heimische Ware setzt und in Summe etwas weniger Fleisch isst, aber dafür sehr bewusst einkauft. Auch die Pfeile der Produktionsmengen zeigen nach unten, zumindest beim Schweinefleisch. Kein schlechter Trend im internationalen Vergleich mit dem auch heimische NGO´s nicht unzufrieden sein sollten.

Wieso sind Sie Schweinebauer geworden?

Ich bin auf einem bäuerlichen Betrieb mit Schweinehaltung aufgewachsen, mein Großvater hatte noch Rinder am Hof, mein Vater hat sich in den 70er Jahren auf die Schweinezucht und Mast spezialisiert. Nach meiner landwirtschaftlichen Ausbildung habe ich mir einen Arbeitsplatz gesucht, da mein Vater noch viel zu jung für die Hofübergabe war. Ich habe mich später entschieden, den Hof neben meinem Beruf in der Fleischwirtschaft weiterzuführen und habe es nie bereut. Ich kann auf fast 30 Jahre zurückblicken in den sich unser Hof laufend verändert und entwickelt hat und es war immer eine schöne Zeit, wenn wieder etwas Neues und Besseres entstanden ist. Unseren Tieren am Hof ist es noch nie so gut gegangen wie heute und es geht mir nicht darum, dass sich unsere Tiere wohl fühlen und gesund sind damit sie die maximalen Leistungen bringen sondern wir wollen ihnen in der Zeit bei uns ein tiergerechtes Leben bieten, wissend dass sie zur Fleischgewinnung bestimmt sind. Leider verliert der Beruf Bauer in letzter Zeit massiv an Ansehen in der Gesellschaft, das macht mir natürlich Sorgen. Ich produziere gleich wie mein Vater und mein Opa für den österreichischen Lebensmittel Markt und habe genau so viel finanziellen Spielraum wie mir der heimische Schweinemarkt bietet, da hatten es die letzten Generationen leichter und ich würde mir wünschen, dass ich wieder mehr finanzielle Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung der Tierhaltung hätte.

Werner Pail, Obmann von SAUGUT

 

Was halten Sie als Landwirt davon, wenn 600 Gramm Schweinefleisch im Discounter 1,99 Euro kosten?

Ich finde es traurig, dass unsere hochwertigen, gewissenhaft erzeugten Lebensmittel immer wieder verramscht werden. Genau damit werden wir Bauern unglaubwürdig, denn kein Konsument glaubt, dass man zu diesen Aktionspreisen eine gute Ware bekommt, die nach strengen Richtlinien produziert wurde, was aber bei heimischer Ware die Wahrheit ist.

Ich merke aber, dass viele junge Leute heute wieder kritisch sind, sich genau informieren und vieles hinterfragen. Sie sind auch bereit einen fairen Preis zu zahlen und wissen auch genau wo sie ihr Fleisch kaufen.

Wenn Du diese Zeilen liest, zählst zu dieser informationshungrigen Schicht und das freut mich sehr!

Werner Pail, Obmann von SAUGUT

Woher beziehen Schweine den Vitamin B12-Bedarf und haben Fleischkonsumenten einen Vorteil gegenüber Veganer?

Ich möchte vorausschicken, dass ich die Antwort als Landwirt und Tierhalter und nicht als Ernährungswissenschaftler geben kann.
Das Vitamin B12 wird nach meinem Wissenstand im Dickdarm des Schweines von Mikroorganismen produziert und in der Leber des Tieres als Voratspuffer gespeichert.
Bei der Fütterung von Schweinen schauen wir genau auf die Versorgung mit den Vitaminen A,D und E jedoch nicht speziell auf die B Vitamine.
Unser Schweinefleisch ist reich an vielen B-Vitaminen so auch an Vitamin B12, auch ist die biologische Verfügbarkeit sehr hoch.
Wie Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, ihren notwendigen Vitamin B12 Bedarf decken kann ich leider nicht fachkundig beantworten.
Fakt ist, dass Pflanzen kein Vitamin B12 herstellen können, es gibt aber genügend synthetische Vitamin B12 Präparate am Markt.
Menschen mit einer abwechslungsreichen Mischkost, müssen sich über ihre Vitamin B12 Versorgung garantiert nicht den Kopf zerbrechen!

Werner Pail, Obmann Saugut